in Geschichte

Probleme auf den Punkt

Schon im Frühjahr 2016 wurde ich gefragt, wo ich meine Probleme mit Hochschulseelsorger Dipl. theol. Stephen Ejaz Gill sehe. Seit dem hat sich, glaube ich, nicht viel verändert. Die Probleme sehe ich hauptsächlich in der Kommunikation und im Vertrauen.

Kommunikation

Das offensichtlichste bei dem Thema ist natürlich, dass Herr Gill Deutsch nicht als Muttersprache gelernt hat. Und genau darauf zielt dieses Problem NICHT ab. Ich habe an der Universität mit Kommilitonen, Dozenten und Mitarbeitern zu tun, die aus unterschiedlichsten Kulturkreisen kommen. Kommunikation funktioniert immer irgendwie, wenn beide Seiten sich darauf einlassen und einen gemeinsamen Weg finden. Doch hier hapert es. Wir fanden keinen gemeinsamen Weg der Kommunikation.

In der KSG haben sich verschiedene Wege der Kommunikation etabliert. Neben dem üblichen direkten Weg („Face2Face“), gibt es Diskussionen im Sprecherkreis (sowas wie ein Gemeinderat) für den üblichen Gemeindewahnsinn und die Diskussion mit der gesamten Gemeinde für weitreichende Entscheidungen oder größere organisatorische Diskussionen. Ich selbst sitze seit dem vergangenen Patfest wieder im Sprecherkreis und habe somit nicht nur eine Sicht aus der Gemeinde heraus. Wobei sich die „Gemeinde“ um den Sprecherkreis Stück für Stück aufgelöst hat.

Wenn wir kommunizieren, kommt es mir immer wieder vor, als würde Herr Gill mit ihm Untergebenen sprechen. Er nimmt dabei oft die Rolle eines Chefs ein. Gleichzeitig zeigt er seit kurzem auch offen, dass er sich nicht als Teil der Gemeinde versteht. Das sind zwei sehr prekäre Punkte in der Arbeit mit Ehrenamtlichen und hat mit zu einer großen Unzufriedenheit bei vielen Freiwilligen geführt.

Darüber hinaus ist es schwer mit ihm zu reden. Manchmal sitzt er in Sitzungen teilnahmslos daneben, bis man ihn direkt anspricht und fragt, ob er etwas dazu beitragen möchte. (Off-topic: das erinnert mich an meinen verstorbenen Großvater. Er kam auf Grund seines Alters oftmals auch nicht mehr mit, weshalb wir ihn dann direkt ansprachen und kurz das geschehene zusammenfassten, damit er up-to-date ist oder auf etwas reagieren kann.) Herr Gill hat in  meiner Anwesenheit auch deutliche Schwächen in der Gremienarbeit gezeigt. Er kommt oft mit grundsätzlichen Einwänden und Anfragen zu einem viel zu späten Zeitpunkt. Er versucht auch nicht auf bisher Erarbeitetem aufzubauen und durch konstruktive Diskussionssanstöße eine Änderung zu erwirken, sondern kommt sofort mit radikalen Änderungen, die teilweise hinten und vorne nicht ausreichen. So zum Beispiel geschehen im vergangenen Jahr, als er plötzlich mit einer komplett neuen Wahlordnung auftauchte oder in der vergangenen Sprecherkreissitzung, als er plötzlich die Durchführung von Teilen des Patronatsfestes aus Kostengründen nebenbei anzweifelte.

Kritik faktenbasiert zu formulieren ist für mich übrigens sehr schwer geworden. Ich habe als Sprecherkreismitglied weder eine Abrechnung des vergangenen Patfestes noch des vergangenen Jahres bekommen. Letztere soll fertig sein, aber Herr Gill will sie erst dem Kirchortrat vorlegen (der mit Entscheidungen der KSG nur indirekt zu tun hat).

Vertrauen

Tja. Das ist dahin. Ich habe weder persönliches Vertrauen in Stephen als Seelsorger, noch ein administratives Vertrauen in seine Führung. Ich bin mittlerweile soweit, dass ich jede Aussage von ihm hinterfrage und Informationen von ihm durch Recherche verifiziere. Ich kann keinen expliziten Zeitpunkt nennen, seit dem das Vertrauen dahin ist. Zu Beginn seiner Arbeit besaß Herr Gill von mir einen Vertrauensvorschuss. In Gesprächen mit anderen Gemeindemitgliedern zeigte sich, dass dieser auch bei den meisten anderen bestand. Dann kamen immer wieder Situationen, wo Herr Gill uns das Vertrauen entzog. Er vertraute uns nicht mehr bei den Finanzen, (mir bei der Post,) bei unseren Entscheidungen mit Außenwirkung. Gleichzeitig bekamen wir immer wieder das Gefühl, dass sich Herr Gill nicht darum bemühte die KSG mit ihren Traditionen und Strukturen weiter zu führen.

Ich wusste, dass ein Führungswechsel zu Konflikten führt und man sich gegenseitig annähern muss und einen gemeinsamen Weg für die Gemeinde finden muss. Das ist normal und war schon beim Wechsel zu seinem Vorgänger so.

Doch hier hat es nicht funktioniert. Als unsere Probleme immer größer wurden, wendeten wir uns an seine Kollegen, an den Ortspfarrer und an seine Chefin. Den meisten war es anzumerken, dass ihnen unwohl war in einer fremden Gemeinde aktiv zu werden. Einige halfen zumindest in der Form, dass sie uns Dokumente über Prozedere in ihren Gemeinden zur Verfügung stellten oder indem sie moderierend in der Gemeinde tätig wurden. Ich bin dankbar für die Mühe, die sich viele gemacht haben!

Die Lösung des Konflikts zwischen Gemeinde und Pfarrer Riechel war damals von viel Kommunikation begleitet. Die Gemeinde hat in einem öffentlichen Prozess ihre Probleme und Wünsche geäußert. Anschließend hat der Pfarrer gemeinsam mit dem Sprecherkreis ein Wochenende moderiert diskuttiert, wie das Selbstverständnis und die Rollenverteilung aussieht. Aus diesen Prozess der Kommunikation entstanden über 10 Jahre katholische Studentenseelsorge in Ilmenau.

Aber gerade an der Kommunikation hapert es. Und es ist von mir auch nicht mehr ersichtlich, dass sich Herr Gill um eine gemeinsame Zukunft bemüht.