Urheberrecht und Presse

Wenn man in diesen Tagen Urheberrecht und Presse in einem Satz sagt, vermuten die meisten das Leistungsschutzrecht dahinter. Darum soll es mal nicht gehen.

Heute morgen bloggte ein Taxi-Fahrer aus Bremen über eine seltsame Vermehrung der Besucher auf seinem Blog. Er stellte fest, dass die Bild-„Zeitung“ in ihrer Onlineausgabe einen Artikel veröffentlicht hat, in dem seine gebloggten Geschichten thematisiert werden.

Thematisiert ist, glaube ich, der falsche Ausdruck für das Gebaren der Online-Redaktion. Besser wäre wohl, das fremde Inhalte ohne Quellenangabe eins zu eins kopiert, mit ein paar hübschen Fotos auf aufgemotzt und ein paar Zeilen Überleitungstext versehen wurden. Und das, so die eigene Aussage des Bloggers, ohne ihn vorher auch nur anzuschreiben und um Erlaubnis zu fragen.

In Zeiten, da für Blogger bereits die Verlinkung von Inhalten auf Online-Zeitungen zu erheblichen Strafzöllen führen könnten und Zeitungsverlage gebetsmühlenartig die Kostenlosmentalität und Raubkopiererei der Deutschen beklagen, ist dieses Verhalten befremdlich.

Der Unterschied zwischen der Zeitung und dem einfachen Blogger, sind die Möglichkeiten, wenn es tatsächlich mal zum Rechtsstreit kommt. Bild besitzt bekanntlich eine gut ausgestattete Kriegskasse und eine fachlich kompetente Rechtsabteilung. Selbst wenn sie mal unterliegen, tut ihnen die zu erwartenden Strafzölle von ein paar tausend Euro nicht weh.

Der Blogger hat diese Möglichkeiten meist nicht. Er muss sich genau überlegen, ob er irgendwen wegen einer Urheberrechtsverletzung abmahnt oder verklagt. Anfallende Prozesskosten muss er meist vorstrecken. Schlimmer wird es, wenn er selbst abgemahnt wird. Meist muss man Gebühren bezahlen und eine Eidesstattliche Versicherung abgeben, nie nie wieder etwas falsches zu tun. Will er sich wehren, braucht er Geld (oder einen guten Rechtsschutz). Da ist aber die Frage, ob er auch Recht bekommt.

Als Blogger oder auch Webseiten-Betreiber ist man also immer versucht sich an alle Regeln zu halten und alle Lizenzen für das verwendete Material zu besitzen. Aber egal wie sehr man darauf achtet, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Es gibt genügend Fälle, wo Materialien unter freier Lizenz angeboten wurden, aber der Anbieter gar nicht das Recht dazu besaß. Gelackmeiert sind die, die dieses Material verwendet haben. Oder ein Gericht entdeckt, dass man sich Bilder auf einer Website auch ohne die darunter stehenden Lizenzhinweise ansehen kann (was wiederum gegen die Lizenz verstößt). Oder es bestehen Rechte auf das bloße Motiv (was man nur schwer herausfindet).

Wenn ich von den Horrorstories über Abmahnungen, Lizenzen und Urheberrechten in meinem Freundeskreis erzähle, sage ich immer, ich stehe mit jedem meiner Online-Projekte mit einem Bein im Knast. Egal wie sehr ich mich bemühe. Für eine „Zeitung“, wie die Bild, ist das Risiko ungefähr genauso hoch, wie für einen kleinen Web Professional. Jedoch stehen ihr deutlich bessere Mittel zur Verfügung, um den Bedrohungen zu begegnen. Vielleicht verwundert es daher nicht, dass sie auch recht locker mit dem Urheberrecht umgeht.

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