in Ilmenau

Ilmenauer Bürgerhaushalt 2015 (2)

Heute mal ein paar Anmerkungen zu Vorschlägen, die unseren Straßenverkehr betreffen.

Die Fußgängerampel

Mit dem Vorschlag 81 (Fußgängerbedarfsampel „Am Stollen“ in den Nachtstunden und am Wochenende ausschalten) ist vermutlich diese Ampel gemeint. Das die Ampel primär dem Schülerverkehr dient, habe ich schon immer vermutet. Ich wusste nur nicht, dass die Ampel auch außerhalb der Schulzeiten aktiv ist. Da die Fußgängerampel vor der Grundschule „Ziolkowski“ auch nachts deaktiviert ist, sollte das hier kein Problem sein.

Ein Zebrastreifen ist natürlich auch überlegenswert. Jedoch ist der Kreuzungsbereich recht uneinsichtig. Auf der einen Seite die einmündende Bergrat-Mahr-Straße, auf der anderen Seite hohe Büsche. „Überraschungen“ für den Autofahrer sind da vorprogrammiert. Sollte tatsächlich über einen Zebrastreifen nachgedacht werden (der sicherlich eine finanzielle Einsparung bezüglich des Unterhalts darstellen wird), sollte man ein Schülerlotsenprogramm für die Grundschüler ins Leben rufen. An der Ziolkowskischule scheint sowas bereits zu existieren.

Das Blumenviertel

Das sich die Blumenstraße im neuen Friedhofsviertel als beliebte Abkürzung entpuppt ist nicht sonderlich verwunderlich. Daher kommt auch Vorschlag 43 (Tempo-20-Zone im Wohngebiet „Am Friedhof Ost“) nicht überraschend.

Die geforderte Tempo-20-Zone ist in diesem Fall fast unmöglich umsetzbar. Tempo-20-Zonen nennt man auch Verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche. Da das Blumenviertel meines Wissens nach ein reines Wohnviertel ist, ist hier nicht mit viel Fußgängeraufkommen und überwiegender Aufenthaltsfunktion zu rechnen.

Als Alternative schlägt der Vorschlagende einen verkehrsberuhigten Bereich (umgangssprachlich Spielstraße) vor. Doch auch hier wird es eine Absage geben, zumal die neuen Bewohner wenig begeistert sein werden. Denn es müssten Umbaumaßnahmen an der neu gebauten Straße vollzogen werden. Der Grund? In einer solchen Straße gibt es keine Unterscheidung zwischen Straßenraum für Kraftfahrzeuge und für Fußgänger. Alles ist für alle da, also müssten die gebauten Fuß- und Radwege zurückgebaut werden. Hinzu kommt ein delikates Detail. In verkehrsberuhigten Bereichen gilt ein flächendeckendes Parkverbot. Ausgenommen sind nur markierte Parkflächen. Dies bedeutet aber, dass die Anwohner nicht nur langsam fahren müssen, sondern auch stets alle Fahrzeuge auf privaten Parkplätzen oder außerhalb des Viertels unterbringen müssen. Der Vorteil ist, das alle Fahrzeuge Schrittgeschwindigkeit fahren müssen. Wie gut das funktioniert darf man sich gerne auf dem Kirchplatz oder in der Ahornallee ansehen.

Bliebe noch eine Möglichkeit, die nicht vorgeschlagen wurde: die Tempo-30-Zone. Die Bedingungen die hieran geknüpft sind, sind, meiner laienhafter Meinung nach, eigentlich ohne großen Aufwand erfüllbar. Die Durchsetzbarkeit einer solchen Zone ist nicht so einfach. Am besten können das wohl die Anwohner der Werner-von-Siemens-Straße bestätigen.

Das ewige Thema

Womit wir beim Thema wären. Wenn ich recht gezählt habe, sind es dieses Jahr ganze acht Vorschläge dazu (verkürzt: 30, 35, 36, 37, 38, 39, 48, 65, 66). Grob zusammengefasst: Den Antragstellern existiert zu viel und zu schneller Verkehr über den Ehrenberg. Als Maßnahmen wird folgendes vorgeschlagen:

  • Blitzanlage
  • Verengungen durch Grünanlagen
  • Bodenwellen
  • geschwindigkeitssensitive Ampeln
  • Schlagbaum, der zu „dienstfreien Zeiten“ geschlossen ist
  • Zebrastreifen
  • Wiedereinführung der Beschränkung auf Anlieger

Ehrlich gesagt mag ich die lautstarke Interessensgemeinschaft nicht. Insbesondere, da die Strecke über den Ehrenberg in den Diskussionen von diesen Menschen als Hauptverkehrsstraßen dargestellt wird. Ich selbst bin an einer solchen aufgewachsen. Inklusive dem Problem morgens verkehrsbedingt minutenlang die Straßenseite nicht wechseln zu können. Auch Ilmenau hat einige gut ausgelastete Straßen. Seltsamerweise höre ich von deren Anliegern recht wenig. Und auch hier gibt es Familien mit Kinder und Menschen mit leichtem Schlaf.

Die einst eingeführte Anliegerstraße griff mich dann persönlich an. Vom unteren Campus kommend ist die Tour über die Langewiesener Straße nicht nur länger, sondern auch nervtötender, da man in die LaWi erst einmal links einbiegen (können) muss. Daher fahre auch ich regelmäßig die Strecke vom unteren Campus zur Autobahn. Als die Anliegerstraße eingeführt wurde, versicherte mir ein Stadtratsmitglied schriftlich, dass auch die Bewohner und Arbeiter des unteren Campus dabei mit einbezogen sind. Die Polizei kontrollierte dennoch und verwarnte auch diese Personengruppe.

Der Campus und die direkt anliegenden Firmen und Institute erzeugen ein gewisses Verkehrsaufkommen, was sicherlich in die mehrfach erwähnte Verkehrszählung mit einfließt. Die Forderung auch diesen Verkehr über die Langewiesener Straße zu leiten finde ich … leicht egoistisch.

Egal. Zurück zum Vorschlag:

  • Anliegerstraße: Damit werden Menschen betroffen, die indirekt Anwohner sind. Die Geschwindigkeitsverletzungen sind dadurch auch nicht eingedämmt worden
  • Blitzer: Ist an starkbefahrenen Straßen die ersten zwei Jahre tatsächlich gewinnbringend. Danach kennt fast jeder die Säulen und Einnahmen werden nicht mehr groß generiert. Diese Straße ist meines Erachtens nach nicht stark genug befahren. Außerdem würde es nur zu einer Einhaltung der Geschwindigkeit bei den Blitzern führen. Streckenmessungen sind in Deutschland verboten.
  • Schranke: Die Idee finde ich dämlich, da es keine „dienstfreien“ Zeiten gibt. Ich kenne es vom Fraunhofer. Die Letzten gehen meist um vier, die ersten kommen um sechs und am Wochenende und an Feiertagen wird auch gearbeitet.
  • Bodenwellen: Wäre ein höherer finanzieller Aufwand, da die Bodenwellen hier auch für LKWs und den Busverkehr ausgelegt sein müssten. Desweiteren kann der städtische Justiziar sicherlich auch mit den Horrorgeschichten bezüglich Schadens­ersatz­forderungen aufwarten.
  • geschwindigkeitssensitive Ampeln: sind keine neue Erfindung. Auf der Zufahrtsstraße nach Erfurt steht schon lange eine solche Ampel mitten in Schmira. Solch eine Anlage hat jedoch recht hohe Anschaffungs-, Wartungs- und Unterhaltskosten. Sie wirkt nur punktuell, erhöht nachts die Lichtemission und es ist nicht gesagt, dass die Autofahrer vor ihr immer anhalten 😉
  • Zebrastreifen: wären am sinnvollsten an der Einfahrt zum Rechenzentrum und an der Haltestelle Werner-von-Siemens-Straße. Insbesondere ersteren würde ich auch unterstützen. Jedoch wären auch das nur punktuelle Geschwindigkeitsstopper, die außerdem nur bei Fußgängeraufkommen funktionieren.
  • künstliche Verengungen: Klingen erst einmal Klasse. Nachts werden sie nichts bringen. Tagsüber nur, wenn genug Verkehr gleichzeitig in beiden Richtungen unterwegs ist. Dies bedeutet jedoch eine erhöhte Lärm- und Abgasbelastung für die direkten Anwohner.

Mir ist bewusst, dass die Interessensgruppe ein paar mächtige Fürsprecher in der Stadtverwaltung haben müssen. Anders sind diverse Blitzaktionen nicht nachvollziehbar. Ich hoffe, dass ich nicht demnächst vor einer verschlossenen Schranke stehen muss.


Demnächst noch ein paar Gedanken zu anderen Vorschlägen!

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