in KSG

Organspendeausweis

Die Bundesregierung beschloss vor kurzen, jeden Erwachsenen Bürger zu fragen, ob er Organspender werden möchte. Man ist nicht verpflichtet zu antworten oder Organspender zu werden, jedoch erhofft man sich durch diese Aktion mehr Menschen dazu zu bewegen ihre Organe nach dem Tod für andere kranke Menschen freizugeben.

Ich will hier keine Werbung für oder wider die Organspende machen. Dafür gibt es genug Seiten im Netz. Dennoch sehe ich es genauso, wie die Politiker. Man sollte sich damit beschäftigt haben! Warum?

Ich besitze bereits seit Jahren einen Organspendeausweis. Damals informierte ich mich etwas darüber. Unter anderem erfuhr ich, dass man in einigen Ländern explizit die Organspende verweigern muss, sonst wird die Zustimmung angenommen. Hier in Deutschland ist es andersherum. Der Grund dafür klang in meinen Ohren grausam: Man könne den Menschen nicht abverlangen sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen.

Der Tod. Das ist eines der Tabuthemen in der heutigen Gesellschaft. Kommt der Tod im Fernsehen oder im Kino, dann ist es entweder schnell und toll, weil man den Feind getötet hat, oder langsam und traurig, weil ein Freund/Verwandter stirbt. Eine wirkliche Auseinandersetzung findet dagegen nicht statt. Und das in einer Gesellschaft, wo (zumindest in Deutschland) zwei Drittel angeben Christen zu sein. Christen, dass sind die Leute, die Karfreitag den Tod eines Menschen gedenken. Jedes Jahr. Die in ihren Gebeten immer wieder von Tod reden. Diesen Menschen ist es also nicht zumutbar sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen?!

Und dann gibt es da noch das andere, ultimative Todschlagargument. Man will ja nicht seine Organe spenden. Aha, und woher soll später der Arzt das wissen, der den Hirntoten Körper vor sich hat und nun fragt: Darf ich? Der Organspendeausweis gibt auch die Möglichkeit sein Nein zum Ausdruck zu bringen! Das ist eine der wenigen einfachen Möglichkeiten seinen Willen, für das verbleiben nach dem Tod, festlegen zu können. Ist das nicht festgelegt, müssen Angehörige gefragt werden.

Und da sind wir schon beim letzten Punkt. Die Angehörigen. Stellt man sich vor, man bekommt mitgeteilt, die Mutter (oder ein anderer Angehöriger) sei verstorben, ist man erst einmal geschockt. Und dann wollen die noch wissen, ob man die Organe entnehmen darf? Viele können in dieser Phase nur schwer oder gar nicht entscheiden, da sie von der Trauer überwältigt sind. Wenn dann die entsprechende Person irgendwie bereits festgelegt hat, ob sie Spender sein möchte oder nicht, wird den Hinterbliebenen eine große Entscheidung, die auch mit Verantwortung zu tun hat, abgenommen.

Also: Organspendeausweis anfordern, ausfüllen und zum Personalausweis stecken. Das ist ein kleiner Schritt, der anderen viel bringen kann.