Hausnummern Realität vs. Datenbestand

Für OpenStreetMap bin ich recht häufig dabei Adressdaten zu mappen. Entweder ich laufe mit Zettel, Kamera oder einem anderen Aufnahmegerät durch die Gegend und zeichne mir auf, welches Haus welche Hausnummer trägt, oder ich kann speziellen Objekten, wie Geschäften oder Öffentlichen Gebäuden durch etwas Recherche eine Adresse zuordnen.

Ersteres ist eigentlich das bevorzugte Mittel. Dadurch bildet man rein theoretisch exakt alle Adressen in OSM ab und stellt sie damit diversen anderen Anbietern z.B. fürs Routing zur Verfügung. Leider unterscheiden sich Theorie und Praxis häufig. Zwar gibt es ein Gesetz (§126 Abs. 3 Satz 1 BauGB):

(3) Der Eigentümer hat sein Grundstück mit der von der Gemeinde festgesetzten Nummer zu versehen.

und in vielen Gemeinden auch entsprechende Verordnungen (wie in Ilmenau):

§ 10 Hausnummern
(1) Jedes Haus ist vom Eigentümer auf eigene Kosten mit der dem Grundstück von der Stadt Ilmenau zugeteilten Hausnummer zu versehen.
(2) Die festgesetzte Hausnummer ist unmittelbar am Haupteingang deutlich sichtbar anzubringen. Liegt der Haupteingang nicht an der Straßenseite, so ist die Hausnummer an der zur Straße gelegenen Hauswand oder Einfriedung des Grundstückes in Nähe des Haupteinganges anzubringen. Verdeckt ein Vorgarten das Wohngebäude zur Straße hin oder lässt ein solcher die Hausnummer nicht erkennen, so ist diese an der Einfriedung neben dem Eingangstor bzw. der Eingangstür zu befestigen.
(3) Die Hausnummern müssen aus wasserfestem Material bestehen. Als Hausnummern sind arabische Ziffern zu verwenden. Die Ziffern müssen sich in der Farbe deutlich vom Untergrund abheben und mindestens 10 cm hoch sein.

Die Stadt Erfurt wird sogar ziemlich konkret, warum die Hausnummern so wichtig sind (§1 Absatz 2):

(2) Diese ordnungsbehördliche Verordnung dient der einheitlichen Vergabe von Hausnummern an Gebäudegrundstücken, zur Wahrung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sowie der Gewährleistung der rechtzeitigen Erreichbarkeit durch Rettungsdienste und Feuerwehr.

 

Doch wie sieht das ganze in der Realität aus:

FFw ElgersburgVergebene Hausnummern werden schlicht nicht am Gebäude angebracht. Ein Objekt, wo man es eigentlich nicht erwartet hätte ist z.B. das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Elgersburg. Leider scheint es in der Gemeinde keine Hausnummernverordnung, wie in Ilmenau oder Erfurt  zu geben (jedenfalls habe ich keine gefunden).

Das Phänomen der fehlenden Hausnummern tritt bei mir übrigens meistens in irgendwelchen Seitenstraßen, Vororten oder Dörfern auf. Gegenden, wo auf jede Kleinigkeit der Häuserfassade geachtet wird (Fußgängerzone oder gepflegte Ortskerne), sowie in modernen Industriegebieten und Plattenbaugebieten sind fast alle Gebäude ausreichend gekennzeichnet. (Da hüpft das Mapperherz).

Um fehlende Hausnummern kompensieren zu können, interpoliere ich meist. Rechts steht die Nummer 5, links die Nummer 7, dann wird das sicherlich die Nummer 6 sein. Das geht recht gut, wenn nur einzelne Nummern fehlen, es keine bebuchstabte Nummern sind und die Reihenfolge erkennbar ist. Randbedingungen, die oftmals nicht zutreffen. So habe ich es schon erlebt, das zwischen 5 und 7 nicht die 6, sondern die 5a zu finden war (der natürlich die Hausnummer fehlte). Oder es gibt Dörfer, wo die Hausnummer nach Baujahr und nicht verorteter Reihenfolge vergeben wird (bei bebuchstabten Hausnummern kann dieser Effekt heutzutage auch in Städten auftreten). Oder es gibt Straßenzüge, wo man dankbar ist, dass wenigstens ein paar Häuser eine Hausnummer aufweisen.

Übrigens: Zu fehlenden Hausnummern zähle ich auch Häuser der Kategorie: Unerkennbare Hausnummern. Diese kommen auf verschiedensten Weg zustande. Entweder sind sie

  • zugewachsen,
  • nur erkennbar wenn man den Vorgarten überwindet und direkt an der Haustür nachschaut,
  • im Türrahmen an der von der Straße aus nicht einsehbaren Seite angebracht
  • als winziger verblasster Aufkleber am Briefkasten geklebt
  • mit unzureichenden Kontrast zum Hintergrund

Ein weiteres Problem sind die versteckten Häuser. Wenn man meint, man hat eine Straße komplett gemappt und hält dann eine offizielle Adressübersicht in der Hand, stellt man plötzlich fest, das ein Haus fehlt. Doch wie kann es sein, wo doch alle Häuser an der Straße gemappt sind? Nun, manchmal existieren Hinterhäuser, die von der Straße nicht ersichtlich sind (und zu denen man nur über Wege kommt, die nach privater Zuwegung eines bereits adressierten Hauses aussehen) oder ein Haus, das eigentlich recht weit weg von der normalen Bebauung steht, wurde noch der Straße zugeordnet. Teilweise stehen diese hier mitten im Wald und sind nur für Ortskundige auffindbar.

Und dann sind da noch die Phantomnummern. Also Nummern, die groß und deutlich am Haus standen, aber in keiner offiziellen Liste geführt werden. Meist sind diese Nummern vom Eigentümer selbst kreiert und nicht vom Amt vergeben. Das sieht man aber als Mapper vor Ort nicht (außer wir führen amtliche Siegel für Hausnummern ein ;) ). Dazu kommen noch Häuser, die im Zuge von Eingemeindungen und Gebietsreformen ein- oder mehrmals ihre Hausnummer geändert haben. Teilweise ändern die Eigentümer ihre Hausnummer nicht. Andere hängen zwar eine neue Nummer auf, entfernen aber die alte (und oftmals viel präsentere) nicht.

All diese Fehler führen dazu, dass selbst in gut kartographierten Gebieten der OpenStreetMap-Datenbestand falsch oder lückenhaft ist. Etwas helfen können Adressdatenspenden der öffentlichen Hand oder Kontrollen, ob die Hausnummernverordnung angewendet wird.

6 Responses

  1. Tom 29. Juli 2014 / 20:29

    Da kommt mir eine spannende Idee, die Hausnummer zu verschleiern. Man bringt einfach ausser der amtlichen noch k weitere Nummern an. Damit genügt man dem Gesetz, und hat trotzdem (k+1)-Anonymity vor uns gierigen OSM-Mappern…

  2. easyX 30. Juli 2014 / 16:39

    Man kann aber den Postzusteller fragen :) Ich bin selber einer, und da ich Vertreter bin und immer wo anders zustelle konnte ich schon hunderte Adressen eintragen, auch von Gebäuden die niemand sonst finden würde (diese verflixten Hinterhäuser zb) Genaugenomm gibt es fast keine bessere Quelle, schließlich hat man als Postzusteller auch einen Plan zu welcher Straße die Nummer denn nun gehört, den das ist oft nicht ganz so erkenntlich.

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